Fehlerproblematik Mikrobläschen in Vergussmassen

Ein wichtiger, aber bei der Entwicklung von Hochspannungsanwendungen bisweilen vernachlässigter, Aspekt ist die Gefahr der Blasenbildung bei Verwendung von Vergussmassen. Insbesondere bei einer Polykondensations-Reaktion von 2K-Systemen oder zu heftig aufgerührten Vergussmassen kann es zu Mikrobläschen kommen. Diese bilden beim Anlegen von Hochspannung eine Kette von Dielektrizitätssprüngen.
Das kann zur Zündung von Teilentladungen in jeder Blase führen, die dann eine Kette bilden. Dieser Umstand verkürzt die zur Verfügung stehende Isolationsstrecke signifikant.

Deswegen ist es bei höheren Spannungen und kurzen Distanzen durch die Isolation hindurch wichtig, die Mikrobläschen in (Silikon-)Vergussmassen zu entfernen. Andernfalls erreicht man auf Dauer bei weitem nicht die Durchschlagfestigkeit aus dem Datenblatt des Herstellers. Wichtig dabei: das Fehlerbild stellt sich meist nicht sofort ein, sondern es kommt erst im Dauerbetrieb zu einem langsamen Abbau der Isolationsstrecke. Das bedeutet leider, dass ggf. erst Feldausfälle auf diese Problematik aufmerksam machen.

Ergänzung: Bei 2k-Polyurethanvergussmassen sollten Bauteile, die vergossen werden, vor dem Verguss ausreichend getrocknet werden (z.B. Entnahme aus kühlem Lager, Kondensation auf Bauteiloberfläche), da in diesem Grenzflächenbereich eine Polykondesationsreaktion auftreten kann, die Spannungsfestigkeit und Haftungsfähgikeit der Urethan-Vergussmasse negativ beeinflusst.